MONSHEIM – Der energetischen Sanierung öffentlicher Gebäude gilt derzeit das Hauptaugenmerk der Verbandsgemeindeverwaltung in Monsheim. Denn durch die Einsparung von Wärme und Elektrizität wird nicht nur der Ausstoss klimaschädlicher Abgase reduziert, sondern insbesondere auch jährlich Geld eingespart, das dringend für andere Projekte und zum Ausgleich steigender allgemeiner Kosten benötigt wird. Zudem gibt es für viele der notwendigen Maßnahmen Fördergelder des Landes oder des Bundes, wodurch sich die Investition doppelt lohnt.
Um den Wärmeenergiebedarf des historischen Verwaltungsgebäudes „Anhäuser Mühle“ nachhaltig zu senken, war vor wenigen Jahren bereits das Dach saniert und umfassend gedämmt worden. Als weitere Maßnahme erfolgte nun der Austausch von Fenstern und Außentüren im gesamten Gebäude.
Die jetzt erneuerten 78 Fenster, drei Fenstertüren und drei Außentüren im Haupt- und Nebengebäude stammen noch vom Vorbesitzer, der Familie Bechtolsheimer, und waren bereits vorhanden, als die Verbandsgemeinde das Anwesen im Jahr 1984 erworben hat. Die großflächigen Fenster mit vorgesetzten „unechten“ Sprossen entsprachen nicht dem historischen Charakter des 1714 errichteten Gebäudes und wiesen einen Wärmedurchgangs-Koeffizienten (u-Wert) von 3,0 auf, während der u-Wert der neuen 3-fach verglasten Fenster bei ca. 0,8 liegt. Der u-Wert gibt an, wieviel Wärmeenergie in Kelvin je Quadratmeter Fensterfläche über einen bestimmten Zeitraum entweicht. Je niedriger der u-Wert, desto geringer ist der Wärmeverlust im Winter, aber auch die Durchlässigkeit der Wärme im Sommer.
Die neuen Fenster aus europäischem Lerchenholz sind den historischen Vorbildern entsprechend zweiflügelig mit einem zu öffnenden Oberlicht und verfügen über echte Sprossen. Den Auftrag erhielt die Firma Jeub Fensterbau GmbH aus Niederzissen als günstigster Anbieter zum Preis von rund 205.000 Euro. Die Firma Jeub hat bereits umfangreiche Erfahrungen mit dem Fensteraustausch in denkmalgeschützten Gebäuden. So wurden vor wenigen Jahren die Fenster im Grünstädter Schloss erneuert. Den fachgerechten Einbau im laufenden Verwaltungsbetrieb übernahm die Firma RSH-Montagebau, ebenfalls aus Niederzissen in der Eifel. Laibungsarbeiten und die Erneuerung einzelner Fensterbänke müssen nachträglich noch ausgeführt werden.
Die Finanzierung der Maßnahme erfolgt fast vollständig aus Mitteln des rheinland-pfälzischen „Kommunalen Investitionsprogramms Klimaschutz und Innovation“ (KIPKI), aus welchem auch der Austausch der Fenster in der Grundschule Offstein bezuschusst wird.
Der Fensteraustausch im Verwaltungsgebäude, der von VG-Bautechniker Ayhan Coban geplant und koordiniert wurde, erfolgt bereits im Hinblick auf die neue nachhaltige Wärmeversorgungsanlage des Gebäudes. Anstelle des aktuell vorhandenen Blockheizkraftwerks soll die „Anhäuser Mühle“ zukünftig über eine hochmoderne Abwasser-Wärmepumpe versorgt werden. Dazu wird in den über das Verwaltungsgrundstück verlaufenden Hauptkanal des Abwasserzweckverbandes Mittleres Pfrimmtal (AMP) eine Leitung mit einer Trägersubstanz eingebaut, welche die Restwärme des Abwassers teilweise aufnimmt und zu einem Wärmetauscher transportiert. Dieser „verdichtet“ dann – ähnlich wie bei einer Luft-Wärmepumpe – die Wärme bis auf die im Vorlauf der Gebäudeheizung benötigte Temperatur. Eventuelle Bedarfsspitzen werden über ein Elektromodul abgedeckt, sodass das Verwaltungsgebäude voraussichtlich ab Ende 2027 komplett ohne fossile Energieträger beheizt werden kann.
Zur Unterstützung der Verwaltung bei der Umsetzung der Gebäudeenergieeffizienz wird ab 01.05.2026 ein Energiemanager das Team der Bauabteilung verstärken, dessen Stelle über drei Jahre zu 90 % aus einem Förderprogramm des Bundes finanziert wird. „Wir haben in diesem Bereich noch bei mehreren Gebäuden Handlungsbedarf,“ erläutert VG-Bürgermeister Ralph Bothe. „Letztlich finanzieren die Einsparungen aus den ersten Projekten die weiteren Investitionen, sodass am Ende sowohl das Klima, als auch die Gemeindefinanzen profitieren.“
Bild: Rilind Hasaj und sein Team von RSH-Montagebau aus Niederzissen tauschen im laufenden Verwaltungsbetrieb die Fenster und Außentüren der „Anhäuser Mühle“ aus.


