Abschnitt des Eisbachs bei Offstein wird naturnah umgestaltet


OFFSTEIN – Nach jahrelanger Vorbereitung durch die Verbandsgemeinde Monsheim und die Ortsgemeinde Offstein kann die Renaturierung des Eisbachs im Bereich der ehemaligen Gemeindegärten südlich der Gerbereistraße nun in den kommenden Monaten umgesetzt werden. Bereits im vergangenen Jahr hatte die VG hier Grundstücke erworben und die letzten Pachtverträge der Gärten waren durch die Ortsgemeinde gekündigt worden.

„Wir alle stehen noch unter dem Schock der verheerenden Starkregen- und Hochwasserereignisse im Norden unseres Landes. Mit einem guten Hochwasserrisikomanagement können wir solche extremen Ereignisse nicht verhindern, aber die Folgen reduzieren“, erklärte Dr. Erwin Manz in der vergangenen Woche in Offstein.

Dort übergab der Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität den Förderbescheid über 764.000 Euro für die naturnahe Gestaltung eines Abschnittes des Eisbachs an Bürgermeister Ralph Bothe. Die Förderung entspricht rund 90% der voraussichtlichen Baukosten und wird aus dem sogenannten „Wasser-Cent“ finanziert.

Dr. Manz begrüßte ausdrücklich die Anstrengungen der Verbandsgemeinde für die Anpassung an die klimatisch bedingten Veränderungen. „Naturnahe Gewässer können sowohl Starkregen und Hochwasser besser aufnehmen, als auch Wasser in trockenen Zeiten besser speichern. Durch strukturbildende Maßnahmen wie Strömungslenker sowie Inselstreifen können sich im Eisbach schnell schattenspendende Gehölze ansiedeln.“ Der entstehende Altarm würde auch weiterhin durchströmt und für Fische und andere Lebewesen zugänglich bleiben. „Gleichzeitig schafft die Gemeinde mit dem Bacherlebnisbereich sowie Sitzgelegenheiten einen barrierearmen Naherholungsraum“, erläuterte der Staatssekretär und studierte Biologe die vorgesehenen Maßnahmen.

Laut Dr. Manz habe das Klimaschutzministerium bereits Gewässerrenaturierungsprojekte   am Eisbach 2013 in Obrigheim mit 583.000 Euro und 2019 in Ebertsheim mit 777.000 Euro gefördert. „Mit der Einführung des Wasser-Cents und seiner hundertprozentigen Zweckbindung haben wir in Rheinland-Pfalz eine wichtige finanzielle Grundlage geschaffen, damit Gewässerprojekte der Kommunen unterstützt werden können.“

Zur Begrüßung in Anwesenheit der Landtagsabgeordneten Kathrin Anklam-Trapp, des Kreisbeigeordneten Thomas Rahner, des Ortsbürgermeisters Andreas Böll und von Beigeordneten und Fraktionssprechern aus dem Orts- und Verbandsgemeinderat hatte VG-Bürgermeister Ralph Bothe bereits auf die zahlreichen erfolgreich durchgeführten Renaturierungsmaßnahmen in der VG Monsheim in den vergangenen Jahren hingewiesen. Er erinnerte an die Verlegung des Mölsheimer Quellbachs aus einer Betonröhre in ein naturnahes Bett, die Renaturierung des Kinder- oder Quotbachs auf gesamter Länge zwischen Hohen-Sülzen und Monsheim, den Rückbau des Wehrs an der Stegmühle zur Verbesserung der Durchgängigkeit des Eisbachs und die Maßnahmen am Weidesgraben bzw. Reißbach zwischen Hohen-Sülzen und Offstein. Häufig würden derartige Projekte jedoch durch die Schwierigkeiten beim Grunderwerb oder die fehlende Zustimmung von Grundstückseigentümern erschwert. So habe man für die erforderliche Renaturierung des Grailsbachs zwischen Flörsheim-Dalsheim und Mörstadt sowie den notwendigen Rückbau des Wehrs an der Rosengartenmühle noch keine Lösung gefunden.

Anders in Offstein: Hier sei es nach längeren Verhandlungen gelungen, zwei Gärten und ein Ackergrundstück zu erwerben. Hilfreich sei es natürlich auch gewesen, dass ein wesentlicher Teil der Maßnahme auf dem Gelände der früheren Gemeindegärten erfolgen könne, welche sich im Eigentum der Ortsgemeinde befinden.

Dipl.-Ing. Andreas Valentin aus Ebertsheim erläuterte die konkreten Maßnahmen, die für den Abschnitt des Eisbachs geplant sind. Der Landschaftsarchitekt zeichnete mit seinem Planungsbüro bereits für zahlreiche vergleichbare Projekte am Eisbach und anderen Gewässern verantwortlich. Er freue sich, nun eine weitere Maßnahme am Eisbach realisieren zu können, der eigentlich ein „tolerantes, ruhiges Gewässer“ sei, sich aber westlich von Offstein bereits sehr tief ins Gelände eingeschnitten habe und eine hohe Fließgeschwindigkeit aufweise. Neben dem Hochwasserschutz und der ökologischen Aufwertung solle das Gewässer in Form eines Bacherlebnisbereichs hier aber auch „unmittelbar erfahrbar gemacht werden“.
Dazu werde der Eisbach im Bereich der Renaturierung angehoben und seine derzeitigen Länge von 350 Meter auf dann ca. 550 Meter verlängert. An den Mäandern des neuen Niedrigwasserabflusses entstünden Biotope, wobei das Gefälle des Baches von bisher 0,35 auf 0,15 Prozent verringert wird. Kurz vor der Unterquerung der Bahnhofstraße führt ihn dann eine „raue Rampe“ zurück ins alte Bett.

Der anfallende Aushub wird laut Valentin teilweise für einen „Aussichtshügel“ verwendet, der verschiedene Blickachsen auf das gesamte Gelände erschließen soll und es so ermöglicht, die weitere Entwicklung unmittelbar beobachten zu können. Er sei sich durchaus bewusst, dass die aktuelle Maßnahme in Bezug auf den Hochwasserschutz nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“ ist, so Valentin, aber in der Summe mit den anderen Renaturierungen eben doch ein sehr wichtiger Baustein und ein Plus für die Natur und die Menschen.
Mit den Arbeiten soll im kommenden Herbst begonnen werden; die Fertigstellung ist bis Spätsommer 2022 vorgesehen.

Grafik: So soll der Abschnitt des Eisbachs nach der Renaturierung aussehen. (Grafik: Planungsbüro Valentin)

Bild 1: Kreisbeigeordneter Thomas Rahner, Landtagsabgeordnete Kathrin Anklam-Trapp, Planer Andreas Valentin, VG-Bürgermeister Ralph Bothe, Staatssekretär Dr. Erwin Manz und Ortsbürgermeister Andreas Böll (v.l.) bei der Übergabe des Förderbescheids. (Foto: NK / Robert Lehr)