Sanierung des Ratssaal-Daches hat begonnen


MONSHEIM – Mit deutlicher Verzögerung haben in der Anhäuser Mühle die Sanierungsarbeiten am Dach des Ratssaals begonnen. Bereits vor gut einem Jahr waren erste Schäden bemerkt worden. Bei näherer Untersuchung im Frühjahr 2020 wurde dann durch Experten festgestellt, dass die gesamte Tragkonstruktion durch Baumängel aus den 1980er Jahren, Fraßschäden und Pilzbefall soweit geschädigt ist, dass eine Generalsanierung erforderlich wird.
Unter Einbeziehung des Architekten Jochem Braun aus Worms und des Statikers Weisbrod + Partner aus Osthofen wurde in enger Abstimmung mit der Denkmalpflegebehörde des Landkreises Alzey-Worms ein Sanierungskonzept erarbeitet und das entsprechende Leistungsverzeichnis erstellt. Wegen der aktuell starken Auslastung aller Planer und Handwerksbetriebe im Baugewerbe und auch in Folge der Corona-Pandemie konnte die Vergabe der Aufträge durch den Verbandsgemeinderat erst Ende September erfolgen. In der ersten Novemberwoche haben die Arbeiten nun endlich begonnen.
Den Auftrag für die Zimmermanns- und Dachdeckerarbeiten hat das Unternehmen Rheintal-Fachwerkbau aus Worms als günstigster Bieter zum Preis von insgesamt 156.000 Euro erhalten. Die Rohbauarbeiten wurden als Ergebnis der Ausschreibung an das Monsheimer Bauunternehmen Biedert zum Preis von 42.000 Euro vergeben. Inklusive der Gerüstbauarbeiten und der Baunebenkosten für Statik, Prüfstatik und Architektenleistungen werden sich die Gesamtkosten auf ca. 230.000 Euro belaufen.
Nun wurde zunächst das Dach abgedeckt, wobei die noch sehr gut erhaltenen Ziegel gesichert werden konnten und wiederverwendet werden sollen. Nach dem Entfernen der maroden Dämmung soll dann das beschädigte Tragwerk zurückgebaut werden. Hierzu ist eine aufwändige Sicherung der Giebelwände und des Innenraums des Ratssaals erforderlich. Anschließend wird durch den Rohbauer ein Ringanker zur Stabilisierung der Gesamtkonstruktion hergestellt und danach das neue Gebälk aufgelegt. Es folgt die Dämmung des Daches und anschließend die neue Dacheindeckung mit den vorhandenen Ziegeln.
Unter Beachtung der erforderlichen Wartezeiten und sofern die Witterung es zulässt, sollen diese Arbeiten bis Anfang Dezember vollständig abgeschlossen sein. Danach wird das große Fensterelement zum Innenhof saniert und frisch gestrichen. In diesem Zuge erhält auch die Fassade einen neuen Anstrich. Weiterhin sind im Gebäudeinneren noch Elektroarbeiten auszuführen. Auf eine Erneuerung der Lüftungsanlage hatte die Verwaltung aus Kostengründen verzichtet, da größere Veranstaltungen zukünftig in der Rheinhessenhalle stattfinden werden und für die Rats- und Ausschusssitzungen sowie kleinere Veranstaltungen eine solche Anlage nicht erforderlich ist.
Theoretisch wäre der Ratssaal also ab Januar 2021 wieder nutzbar. „Wir gehen aber davon aus, dass bis ins Frühjahr hinein alle Sitzungen weiterhin in größeren Hallen stattfinden müssen“, prognostiziert VG-Bürgermeister Ralph Bothe und hofft, dass im Sommer 2021 wenigstens ein Teil des im laufenden Jahr ausgefallenen Kulturprogramms der Anhäuser Mühle nachgeholt werden kann. Besonders bedauert er, dass es im Januar keinen Neujahrsempfang geben wird: „Das war immer eine sehr gute Gelegenheit mit allen Mandatsträgern, Vereinsvorsitzenden, Schulleitungen und weiteren engagierten Menschen ins Gespräch zu kommen, Bilanz zu ziehen und gemeinsam ins neue Jahr zu starten“, so Bothe. Vermutlich müsse man nun zunächst andere Formen des Austauschs finden. Vielleicht könne auch für diese Veranstaltung im Jahr 2022 ein Neustart in der Rheinhessenhalle erfolgen.
Der Ratssaal soll nach der Sanierung des Daches – sofern alles klappt – im Frühjahr als Briefwahlbüro für die Landtagswahl genutzt werden. So könne man die notwendigen Abstände und Hygienemaßnahmen einhalten und der vermutlich deutlich höheren Zahl an Briefwählerinnen und –wählern zeitnah die Unterlagen zur Verfügung stellen.

Bild: Am Ratssaal der Anhäuser Mühle wird derzeit das Dach erneuert. Die vorhandenen Ziegel sollen möglichst erhalten werden, da die ehemaligen Mühlengebäude als Ensemble unter Denkmalschutz stehen.