Defekt in der Übergabestation der EWR Netz GmbH legt Windpark Wachenheim lahm


WACHENHEIM / VG MONSHEIM – Am Freitag, 9. Oktober 2020, kam es zu zwei Störungen im Mittelspannungsnetz der EWR Netz GmbH. Wie deren Geschäftsführer Dipl.-Ing. Johannes M. Krämer bestätigt, waren davon mehrere Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde Monsheim betroffen, wo es teilweise auch zu längeren Stromausfällen kam.

Störungsursachen waren eine defekte Verbindungsmuffe in Flörsheim-Dalsheim und ein elektrischer Defekt in der Übergabestation der EWR Netz GmbH zur Einspeisung des Windparks Wachenheim der „AöR Energieprojekte Monsheim“. Die defekte Verbindungsmuffe konnte schnell repariert werden. Die Beseitigung der Schäden an der Schaltanlage der Übergabestation des Windparks Wachenheim wird noch mehrere Wochen dauern. Um die Ausfallzeit für die Einspeisung des Windparks Wachenheim auf ein Minimum zu reduzieren, wird die EWR Netz GmbH eine provisorische Schaltanlage als Übergangslösung errichten.

Die Übergabestation auf dem Parkplatz am Friedhof in Wachenheim war 2012 vor Inbetriebnahme des Windparks Wachenheim errichtet worden. Die AöR „Energieprojekte Monsheim“ und die EWR Netz GmbH hatten sich vertraglich darauf verständigt, diesen Übergabepunkt zu schaffen und somit die zeit- und kostenintensive Verlegung einer eigenen Leitung der AöR bis zum Umspannwerk in Gundersheim zu vermeiden. Im Gegenzug übernahm die AöR einen Teil des Risikos bei zukünftigen Betriebsstörungen.

An der Übergabestation wird der aus Windkraft erzeugte Strom in das örtliche Mittelspannungsnetz eingespeist und somit vorrangig in der VG Monsheim selbst verbraucht. Diese Variante war auch deshalb gewählt worden, um ggf. bei einer zukünftigen Gesetzesänderung den Strom unmittelbar vor Ort vermarkten zu können. Von Wachenheim aus gelangt der Windstrom über zwei getrennte Mittelspannungstrassen letztlich zum Umspannwerk in Gundersheim. Um im Falle von Störungen auf einer der beiden Leitungstrassen eine zweite Anbindung, eine sogenannte Redundanz, zu schaffen, gibt es in der Station in Wachenheim ein Kupplungsfeld zwischen den beiden Windpark-Übergabestationen.

Genau diese Einheit wurde im Zusammenhang mit der Netzstörung stark beschädigt. Es kam zu einer extremen Hitzeentwicklung mit der Folge von starken Seng- und Schmorschäden. Außerdem ist zur Vermeidung weiterer Schäden Schutzgas freigesetzt worden. Nach Auskunft der EWR Netz GmbH wurde die Station inzwischen durch Sachverständige begutachtet. Bevor die eigentlichen Reparaturarbeiten beginnen können, muss die Anlage dekontaminiert und gereinigt werden. Dann müssen zahlreiche Komponenten ersetzt werden, welche teilweise längere Lieferzeiten haben. Insgesamt wird mit einer Ausfallzeit von 30 bis 35 Tagen gerechnet, bis das Provisorium betriebsbereit sein wird.

Da in dieser Zeit kein Strom eingespeist werden kann, steht der Windpark Wachenheim derzeit still. „Wir rechnen nach Abzug der durch die Versicherung ersetzten Ertragsausfälle in diesem Zeitraum mit Mindereinnahmen von bis zu 250.000 Euro“, verdeutlicht Bürgermeister Ralph Bothe. Dies sei zwar wirtschaftlich zu verkraften, aber auch besonders ärgerlich, weil man gerade im laufenden Jahr sehr gute Winderträge erzielt habe. So lag der Jahresertrag des Windparks vor der Störung um rund 2,4 Mio. Kilowattstunden über dem Vergleichswert des Vorjahres. Außerdem habe man durch die Neuausschreibung der Wartungsverträge die laufenden Kosten deutlich reduzieren können. Das dadurch erwartete hervorragende Jahresergebnis 2020 werde nun einen Dämpfer bekommen. „Wir sind aber sehr zuversichtlich, dass die Fachleute vom EWR die Übergabestation schnell wieder in Betrieb nehmen können.“

Durch den Stromausfall vom 9. Oktober berichten vereinzelt auch Bürgerinnen und Bürger über Schäden an haustechnischen Anlagen in Privathaushalten, die eventuell durch Spannungsschwankungen verursacht worden sein könnten. In diesen Fällen kann eine Meldung an die EWR Netz GmbH unter der zentralen Serviceadresse schaden@ewr.de erfolgen.

 

Bild: In der Übergabestation der EWR Netz GmbH in Wachenheim ist es durch die Störungen im Mittelspannungsnetz zu Schäden gekommen, die eine umfangreiche Sanierung erforderlich machen.