Spuren von Römern und Germanen in Wachenheim


WACHENHEIM – Das Zellertal war offenbar bereits in der Steinzeit und den nachfolgenden Jahrhunderten ein attraktiver Siedlungs- und Lebensraum. Darauf deuten die Funde hin, welche bei Ausgrabungen der Landesarchäologie Rheinland-Pfalz im Bereich des geplanten Neubaugebietes „In den Bachstaden III“ östlich der Ortslage von Wachenheim zu Tage gefördert wurden und bis in die Zeit um 2.500 v. Chr. datiert werden können.

Bereits im Rahmen der Kampfmittelsondierung waren Anomalien im Untergrund aufgefallen. Aufgrund der Nähe zu einer altbekannten römischen Villenstelle wurden daraufhin detailliertere geomagnetische Voruntersuchungen durchgeführt. Diese deuteten auf das Vorkommen von rund 400 Siedlungsgruben aus der Frühgeschichte hin.

Entsprechend der gesetzlichen Bestimmungen schloss die Gemeinde eine Grabungsvereinbarung mit der Direktion Landesarchäologie in Mainz ab. Die Ausgrabungen sollen von Mai 2020 bis April 2021 dauern. An den Kosten beteiligt sich die Ortsgemeinde mit 130.000 Euro. Die Verbandsgemeinde stellt einen Bagger und Fachpersonal, um die Arbeiten zu beschleunigen. Neben dem Grabungstechniker Markus Formann und seinen Mitarbeitern werden auch in den kommenden Monaten freiwillige Helfer gesucht und jeder, der ehrenamtlich bei den Grabungen helfen möchte, kann sich auch weiterhin bei Grabungsleiter Markus Formann oder bei der Verbandsgemeindeverwaltung melden.

Die bisherigen Arbeiten brachten bereits einige Überraschungen ans Tageslicht: So befinden sich auf der Fläche nach heutiger Kenntnis nicht nur 400, sondern vermutlich bis zu 1.200 Fundstellen. Diese stammen noch dazu aus sehr unterschiedlichen Epochen. Hier wurde über viele Generationen immer wieder gesiedelt. Von den zahlreichen Holzhütten haben sich allerdings nur die Siedlungsgruben erhalten. Diese wurden zunächst als Vorrats- und später als Abfallgruben und Kloaken genutzt und liefern wichtige Erkenntnisse über Leben und Ernährungsgewohnheiten der ersten Siedler des Zellertals.

Für Dr. Günter Brücken, den wissenschaftlichen Leiter der Ausgrabung, ist insbesondere das vermutete Alter der Siedlungsspuren von Bedeutung, denn diese stammen aus der sehr selten angetroffenen Übergangszeit von der Stein- zur Bronzezeit. Darauf deuten zwei bereits freigelegte Gräber hin, in welchen die für diese Zeit typische „geschlechtsdifferenziert bipolare Hockerbestattung“ vorgefunden wurde.

Wissenschaftlich bedeutsam sind darüber hinaus ungewöhnlich verzierte Keramik-Fragmente, die bisher erst ein einziges Mal angetroffen wurden, nämlich im ca. 7 km entfernten Rüssingen, wo im Jahr 1933 der bisher einzige Fund mit vertikalen Fingertupfenleisten auf der Keramik beschrieben und als „missing link“ zwischen den jungsteinzeitlichen Becherkulturen und der frühbronzezeitlichen Adlerbergkultur angesehen wurde. Dr. Brücken hofft nun, auf der restlichen Fläche weitere Gruben mit ähnlichen Keramik-Bruchstücken zu finden, um diese Forschungsfrage klären zu können. Es wird allerdings vermutlich Jahre dauern, bis alle Funde aus den „Bachstaden“ in Wachenheim ausgewertet sein werden, und es vielleicht auch einmal eine zusammenfassende Dokumentation geben wird.

Mit Funden von materiellem Wert rechnet das Grabungsteam übrigens nicht, denn zur Zeit dieser Siedlung stand die Metallverarbeitung in Mitteleuropa noch ganz am Anfang und Grabbeigaben bestanden – wenn überhaupt – nur aus Tongefäßen. Und auch aus römischer Zeit, dem 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr. wurden bisher nur Fundamente von kleinen Gebäuden gefunden, über deren Funktion noch keine Aussage getroffen werden kann.

Den Terminplan möchte Dr. Brücken jedoch in jedem Fall einhalten. Darauf drängen auch Orts- und Verbandsgemeinde: „Wir haben eine Vereinbarung,  wonach die Grabungen bis April 2021 abgeschlossen sein müssen. Die Ortsgemeinde hat alle Verpflichtungen erfüllt und wir gehen davon aus, dass sich auch die Landesarchäologie an diese Vereinbarung hält“, macht VG-Bürgermeister Ralph Bothe deutlich.

 

Bild: Neben Hockergräbern (um 2.500 v. Chr.) wurden bei den Ausgrabungen in Wachenheim auch Reste von Gebäuden aus römischer Zeit freigelegt.