Neubau einer gemeinsamen Kindertagesstätte für Mölsheim und Wachenheim beschlossen


MÖLSHEIM / WACHENHEIM – In einer gemeinsamen Sitzung haben sich die Ortsgemeinderäte von Mölsheim und Wachenheim mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, eine gemeinsame neue Kindertagesstätte mit voraussichtlich drei Gruppen zu errichten. Als Standort wurde unter mehreren Alternativen die Fläche westlich des Bürgerhauses in Wachenheim gewählt. Während sich die Wachenheimer Ratsmitglieder einstimmig für den Beschlussvorschlag der Verwaltung aussprachen, gab es im Mölsheimer Rat neun Ja- und zwei Nein-Stimmen.

Hintergrund der Überlegungen für den Neubau waren zwei Schreiben der evangelischen Kirche, worin den Ortsgemeinden Mitte vergangenen Jahres mitgeteilt worden war, dass sich die Kirchengemeinden – als bisherige Träger der Einrichtungen und Eigentümer der Gebäude – nicht in der Lage sehen, die anstehenden umfassenden Sanierungen und die erforderlichen Umbauarbeiten im Hinblick auf die ab 2021 geltenden gesetzlichen Neuregelungen finanzieren zu können. Ab dem kommenden Jahr gelten neue Kindertagesstättengesetze des Landes und des Bundes, welche unter anderem den Rechtsanspruch auf eine mindestens siebenstündige tägliche Betreuung und neue Gruppenstrukturen festschreiben. Damit verbunden ist eine Erweiterung des Angebots in allen bestehenden Einrichtungen um ein Essensangebot und notwendige Schlafräume.

In den kommenden Monaten wird landesweit in allen KiTas eine Begehung durch das Landesjugendamt stattfinden, um den Sanierungs- und Erweiterungsbedarf mit den Trägern und Gemeinden abzustimmen. Es ist zu erwarten, dass in den bestehenden Kindergärten in Mölsheim und Wachenheim sehr umfangreiche Investitionen erforderlich sind, da diese Einrichtungen bereits jetzt kaum noch den Anforderungen entsprechen.

Aus Sicht der Verbandsgemeindeverwaltung erschien es bereits nach einer ersten groben Prüfung nicht darstellbar, die vorhandenen kirchlichen Gebäude mit öffentlichen Mitteln zu sanieren, zumal zukünftig der Betrieb von ein-gruppigen Kindertagesstätten kaum mit den gesetzlichen Anforderungen in Einklang zu bringen sein dürfte. So könnte dort bereits beim spontanen Ausfall nur einer Erzieherin der gesetzliche Betreuungsanspruch nicht mehr erfüllt werden.

In einer ersten gemeinsamen Sitzung des Mölsheimer und Wachenheimer Gemeinderates am 17. Februar 2020 hatten daher sowohl die Verbandsgemeinde, als auch das Kreisjugendamt dringend empfohlen, über die Errichtung einer gemeinsamen mehrgruppigen Einrichtung nachzudenken. Hierzu hatten die Räte einen Grundsatzbeschluss gefasst und die Verwaltung mit der Prüfung von Standort-Alternativen beauftragt.

Das Ergebnis der Prüfung stellte Stadtplaner Dipl.-Ing. Dennis Zimmermann von der VG-Verwaltung in der Sitzung vor. Bei der Beurteilung der möglichen Standorte wurde dabei ermittelt, ob diese die erforderliche Mindestgröße von ca. 3.000 m² aufweisen, mit welchem Aufwand Barrierefreiheit und Erschließung herzustellen sind, ob die benötigten Grundstücke verfügbar sind und zeitnah Baurecht geschaffen werden kann, wie gut die Standorte erreichbar sind und ob Synergien genutzt werden können. In der Abwägung aller Aspekte fiel die Empfehlung letztlich sehr eindeutig für den Standort am Wachenheimer Bürgerhaus aus, auch wenn dieser ebenfalls gewisse Nachteile aufweist. „Den idealen TOP-Standort gibt es weder in Mölsheim, noch in Wachenheim“, so das Fazit von Dennis Zimmermann, „aber wir können froh sein, überhaupt einen hervorragend geeigneten, verfügbaren und relativ zeitnah bebaubaren Standort gefunden zu haben.“ Denn die Zeit drängt: Selbst unter günstigsten Voraussetzungen wird es mindestens 18 bis 24 Monate dauern, bis die neue KiTa eingeweiht werden kann.

Auf Vorschlag von VG-Bürgermeister Ralph Bothe haben die Gemeinden daher die Wohnungsbau- und Immobilienverwaltungsgesellschaft der VG (WIM GmbH) mit der Planung und Errichtung der Kindertagesstätte beauftragt. Zur Begleitung des Projektes haben die Gemeinderäte eine achtköpfige Projektgruppe eingerichtet, welche den Ratsmitgliedern zukünftig über den Projektfortschritt berichten und Empfehlungen aussprechen soll. Die Finanzierung des Bauvorhabens erfolgt zunächst durch die WIM GmbH. Zins und Tilgung werden über einen Mietvertrag mit einer Laufzeit von 30 Jahren durch die Gemeinden ebenso erstattet, wie ein geringer Verwaltungskostenaufwand. Die Trägerschaft der KiTa soll bei der Verbandsgemeinde liegen, sofern sich kein freier Träger findet, der bereit wäre, sich in angemessenem Umfang an der Investition und den Betriebskosten zu beteiligen.

Die Ortsbürgermeister Sascha Wötzel (Mölsheim) und Dieter Heinz (Wachenheim) sehen in der Ratsentscheidung einen notwendigen Schritt hin zu einer engeren Zusammenarbeit beider Gemeinden, um für alle Bürgerinnen und Bürger auch in den kleinen Orten eine zeitgemäße Infrastruktur vorhalten und eine adäquate Lebensqualität gewährleisten zu können.

 

Bild: Auf dieser Fläche westlich des Wachenheimer Bürgerhauses mit schönem Blick nach Mölsheim soll die neue gemeinsame Kindertagesstätte gebaut werden.