Gute Chancen für eine Landesförderung zur Sanierung der Zellertal-Bahnstrecke


MONSHEIM / WACHENHEIM – In die seit Jahren stockende Entscheidungsfindung für eine Sanierung der Zellertal-Bahnstrecke scheint nun Bewegung zu kommen. Nachdem sowohl der Kreistag Alzey-Worms (gegen die Stimmen der AfD), als auch der Verbandsgemeinderat Monsheim (einstimmig) eine vom Monsheimer VG-Bürgermeister Ralph Bothe formulierte Resolution angenommen haben, worin die Landesregierung aufgefordert wird, die Fördermittel für das Projekt in Höhe von ca. 6,7 Mio. Euro freizugeben, gibt es von Seiten der Landesregierung durchweg positive Signale. Zuletzt betonte der Staatssekretär im zuständigen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, Andy Becht, bei einer Kundgebung des Fördervereins Eistalbahn / Zellertalbahn am Monsheimer Bahnhof den Willen der Landesregierung, das wichtige Infrastrukturprojekt umzusetzen und die Mittel schnellstmöglich freizugeben. Inzwischen hätten die Kritikpunkte des Landesrechnungshofes ausgeräumt werden können, indem der für die Antragstellung federführende Donnersbergkreis weitere Unterlagen und Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit nachgereicht habe. Nun müsse in einem formellen Verfahren durch Finanz- und Innenministerium lediglich noch geprüft werden, ob der finanzschwache Donnersbergkreis das Projekt stemmen und die Folgekosten tragen könne. Dies sei jedoch dadurch sichergestellt, dass der Kreis mit allen Gebietskörperschaften entlang der Strecke und dem Landkreis Alzey-Worms Vereinbarungen zur Kostenbeteiligung geschlossen habe, um den Eigenanteil aufzubringen und die Betriebskosten anteilig zu verteilen. Auf die Verbandsgemeinde Monsheim wird ein Anteil von rund 160.000 Euro an den Investitionskosten entfallen, der seit Jahren im Haushalt eingeplant ist.

Die 27,7 km lange Zellertalbahn zwischen Monsheim und Langmeil wurde in den Jahren 1872/73 als Hauptbahn gebaut und stellte bis in die 1970er Jahre eine bedeutende Ost-West-Verbindung im Bahnverkehr zwischen Worms und Kaiserslautern – sowohl für den Personen-, als auch für den Güterverkehr und militärische Transporte dar.

Zwar wurde der Verkehr im Jahr 1983 vorläufig eingestellt, jedoch konnte die Trasse bis heute erhalten werden. Der Gleiskörper und Unterbau der Strecke kann der Streckenklasse D4 zugeordnet werden, was dem Standard für Neu- und Ausbaustrecken mit einer vergleichsweise sehr hohen zulässigen Radsatzlast bis 22,5 t entspricht. Komplett sanierungs- bzw. erneuerungsbedürftig sind vor allem die gesamte Signaltechnik und die Bahnübergänge. Hierzu liegen seit Jahren fertig ausgearbeitete Planungen und fortgeschriebene Kostenberechnungen vor.

Im Jahr 2001 wurde die Strecke für den Ausflugsverkehr an Sonn- und Feiertagen reaktiviert. Die optional vorgesehene Wiederaufnahme der Strecke in den Rheinland-Pfalz-Takt scheiterte 2015 an dem insgesamt ungünstigen Ausschreibungsergebnis für das Regionalnetz. Wegen des Sanierungsstaus musste der Betrieb im Jahr 2017 vorerst eingestellt werden. Es wurde jedoch bei der Landesregierung ein Förderantrag gestellt, wobei ein Fördersatz von 85 % zugrunde gelegt und auch zugesagt wurde. Die Ertüchtigung der Zellertal-Bahnstrecke ist als Ziel im Koalitionsvertrag der die Landesregierung bildenden Parteien festgeschrieben.

Die kommunalen Gebietskörperschaften entlang der Strecke messen der Zellertalbahn eine erhebliche Bedeutung für die zukünftige Entwicklung der Region zu und haben sich daher vertraglich verpflichtet, den 15%igen kommunalen Anteil für die Sanierung aufzubringen.

Im Hinblick auf eine nachhaltige Verkehrswende und die zu erwartende zukünftig steigende Bedeutung auch des schienengebundenen Personen- und Güterverkehrs stellt die Reaktivierung der Zellertalbahn und deren Aufnahme in den Rheinland-Pfalz-Takt einen wichtigen Baustein zur Verbesserung einer zukunftsfähigen regionalen Verkehrsinfrastruktur dar.

Bereits heute besteht seitens regionaler Unternehmen großes Interesse, die Strecke auch für den Güterverkehr zu nutzen. Daher sind die Verantwortlichen überzeugt, dass eine Entscheidung zu Gunsten der Erhaltung und Sanierung der Zellertalstrecke ein wichtiger Impuls für die zukünftige Entwicklung der von der Bahnlinie erschlossenen Region ist und darüber hinaus auch im überregionalen Schienennetz Impulse für eine Stärkung umweltfreundlicher Verkehrsmittel setzen wird.

 

Bild: Kommunalpolitiker, Mitglieder des Fördervereins und Vertreter der Medien hatten großes Interesse an den neuen Informationen aus Mainz, die Staatssekretär Andy Becht bei der Kundgebung in Monsheim mitzuteilen hatte.