Zierbrunnen im Hof der Anhäuser Mühle umfassend saniert


MONSHEIM – Der Zierbrunnen im Innenhof der Anhäuser Mühle mit der Bronzeplastik einer jungen Frau, der sogenannten „Hinkelsteinerin“, geschaffen von dem bekannten Wormser Künstler und Bildhauer Gustav Nonnenmacher war über viele Jahre ein besonderer Blickfang und häufiges Fotomotiv. Die Brunnenanlage mit dem Kunstwerk und einer Bronzetafel am Ratssaal war im Jahre 1988 im Zuge des Umbaus der Mühle zum Sitz der Verbandsgemeindeverwaltung als „Kunst am Bau“ realisiert worden. Doch Witterungseinflüsse und insbesondere Kalkablagerungen hatten der Bronzeskulptur, aber auch der Sandsteineinfassung massiv zugesetzt. So entschloss sich die Verwaltung nach 30 Jahren zu einer aufwändigen Sanierung der gesamten Anlage, welche sowohl mit dem Denkmalschutz, als auch mit der Tochter des Künstlers, Ulrike Arnold-Nonnenmacher, abgestimmt wurde.

Dabei erwies es sich als absoluter Glücksfall, dass die Kunstgießerei Strassacker in Süßen bei Stuttgart, wo die „Hinkelsteinerin“ seinerzeit gefertigt wurde, heute noch existiert. Die Experten reinigten die Skulptur von Kalk und Patina und stabilisierten die Bronze an einzelnen Schwachstellen, sodass die Figur nun wieder im ursprünglichen Glanz erstrahlt.

Um die zukünftige Unterhaltung und Reinigung der beiden Brunnenbecken zu erleichtern und Betonschäden – wie sie in der Vergangenheit häufiger vorgekommen waren – zu vermeiden, wurde der Brunnen durch die Firma Metalldesign Rachow aus Nierstein vor Ort passgenau mit Becken aus gebürstetem Edelstahl ausgekleidet. Die vollständige Erneuerung der Brunneneinfassung mit besonders robustem roten Sandstein übernahm der Steinmetzbetrieb von Kathleen Groll aus Bechtheim und die Wassertechnik wurde durch die Firma Bollinger aus Flörsheim-Dalsheim erneuert, deren Inhaber Hans-Ruppert Bollinger bereits am ursprünglichen Brunnen mitgearbeitet hatte.

VG-Bürgermeister Ralph Bothe und Bautechniker Ayhan Coban zeigten sich beim ersten Probebetrieb der vollständig sanierten Anlage sehr zufrieden mit dem Ergebnis und auch viele Mitarbeiter und Besucher der Verbandsgemeindeverwaltung waren beeindruckt vom Ergebnis der Restaurierung. Die Gesamtkosten der Maßnahme belaufen sich auf rund 16.500 Euro und sind nach Auffassung von Bürgermeister Bothe sinnvoll investiert. „Es ist unsere Aufgabe, die denkmalgeschützte Anhäuser Mühle zu erhalten. Mit der Sanierung des Brunnens und insbesondere der Plastik von Gustav Nonnenmacher kommen wir dieser Verpflichtung nach und hoffen, dass das Ensemble nun weitere 30 Jahre hält.“

Der in Stuttgart geborene und in Österreich aufgewachsene Künstler und Bildhauer Gustav Nonnenmacher (1914 – 2012) war nach dem Krieg nach Monsheim gezogen und lebte dort bis 1951 im Haus seiner Schwiegereltern, der Bahnhofs-Wirtsleute Saage. Hier fasste er auch den Entschluss, als frei-schaffender Künstler tätig zu sein, was er an seinem neuen Wohnort in Worms-Hochheim realisierte. Neben vielen sakralen Kunstwerken schuf Nonnenmacher unter anderem auch den Flötenspielerbrunnen in Offstein.

Die Skulptur am Brunnen in der Anhäuser Mühle erinnert an die Winkelbandkeramik der Hinkelsteinkultur, benannt nach einem umfangreichen Gräberfeld, welches um 1866 in der Monsheimer Gemarkung freigelegt wurde und in die Zeit der ersten dauerhaften Besiedlung der Region um 5.000 v. Chr. zurückreicht. Die namenlose junge Frau hat typische Gefäße aus jener Zeit mitgebracht, die sie am Brunnen reinigen möchte und wird dabei von einem „Hinkel“ begleitet.

 

Bild: Erster Probebetrieb des Brunnens im Hof der Anhäuser Mühle nach der Sanierung mit der Bronzeskulptur der „Hinkelsteinerin“ des Künstlers Gustav Nonnenmacher.

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